Bernhard Dörries
1898 -1978
Gemälde / Gouachen / Zeichnungen
Frühe Arbeiten


Bernhard Dörries mit Modell, um 1934
"Wer einmal Gemälde von Bernhard Dörries betrachtet hat, wird sich an keine Fülle einer wie auch immer gearteten schönen Welt erinnern, an keine Kleinteiligkeit des Bildgefüges und der Motive, sondern immer die Genauigkeit des Blicks und dessen Weiterführung in die Malerei vor Augen haben." (Ursula Bode)
Wie sich vom Sehen das Wort Gesicht ableitet, lässt sich von Bernhard Dörries sagen, dass sein Auge denkendes Instrument war. Sein bevorzugtes Wort war Anschaulichkeit.
Mädchen mit Kopftuch, Öl/ Holz, 40,5 x 30 cm, 1920

Mädchenkopf, Öl/Holz, 28 x 23 cm, 1920

Stillleben mit weißer Tasse (erstes Stillleben), Öl/Pappe, 40,5 x 26,5 cm, 1916

Arezzo
Seit 1917 besucht Dörries die Technische Hochschule in Hannover. Er studiert Architektur. 1923 geht Dörries nach Arezzo. Dort bewundert er die musische Geometrie und intuitive Wahlfarbigkeit in Piero della Francescas Königin von Saba. Er kopiert mit Tempera auf einer 200 x 200 cm großen Leinwand das Werk aus der Chiesa San Francesco noch im gleichen Jahr.
Königin von Saba, Kopie nach Piero della Francesca, Chiesa San Francesco, Arezzo,
Tempera/Lwd., 200 x 200 cm, 1923

Paris
An der TH Hannover unterrichtete der Kunsthistoriker und Direktor des Sprengel-Museums Alexander Dorner. Er ist einer der einflussreichsten und innovativsten Museumsdirektoren des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Dorner überredet Bernhard Dörries, sich um den Rom-Preis der Preußischen Akademie der Künste zu bewerben. Max Liebermann selbst spricht ihm den Preis für die Accademia Tedesca Roma Villa Massimo zu. Da die Villa Massimo noch nicht bezogen werden kann, geht Dörries nach Paris. Dort entdeckt der 32jährige das Werk von Jean-Auguste-Dominique Ingres (*1780 - +1867). Dessen präzise Zeichnung und imaginierte Farbigkeit begeistern ihn. Knapp ein Jahrzehnt später, 1937, erhält Dörries den Grande-Prix der Pariser Weltausstellung.
Mädchenkopf, Öl/Lwd., 33 x 24 cm, 1923
Bernhard Dörries, 1934


"1928 beginnt ein neuer Abschnitt in Dörries' Werk. Auflösung und Härte in Ausdruck und Gestalt ist bei allen Malern der Neuen Sachlichkeit in Hannover etwa von 1931 an festzustellen. Wir beobachten eine zunehmende Lockerung der Handschrift und damit des Bildgefüges."
(R. Leppien, Ausstellungskatalog Bernhard Dörries, Kunstverein Hannover, 1981, Auszug)
"...denn erlösen aus unserer Einsamkeit und Verklammerung kann nur eine werdende und gewachsene Schöpfung und natürliche Gestaltung, und nur da sind wir ganz frei, wo wir uns ganz hingeben und vergessen. Darum gilt unsere Hoffnung vor allem jener Tendenz, die die lange vernachlässigten Gesetze strenger Bildkomposition in Farbe und Linie betont und von einem Kunstwerk neben ursprünglichem Gehalt eine durchgearbeitete Form verlangt." (Berhard Dörries, Auszug aus dem Vorwort zum Katalog zur III. Ausstellung der Hannoverschen Sezession in der Kestner-Gesellschaft, 1920)
Mädchen in geblümtem Kleid (Sonne), Öl/Lwd., 85,5 x 63 cm, 1930

Mädchen vor Spiegel, Öl/Lwd.,100 x 82 cm, 1947
In der Kunstszene Hannovers hat Dörries eine wichtige Rolle gespielt. In der Zeit von 1924 bis 1973 gehörte er dem Verwaltungsrat des Kunstvereins an. Er war Juror der Frühjahrs- und Herbstausstellungen, die eine wichtige Übersicht deutscher Gegenwartskunst bot. Außerdem war Dörries Herausgeber und Autor der Bildbände zur Kunstgeschichte. Seit 1950 gehörte er dem Beirat des Kunstvereins an.
Von 1945 bis 1949 lebte Dörries in Langenholtensen bei Northeim. Das Gemälde "Mädchen vor Spiegel" entstand in seinem Atelier in Hannover. Gegenüber der genau konturierten Porträtmalerei bevorzugt Dörries in diesem Bild eine flächige, auf das Wesentliche reduzierte Dinglichkeit, die in ihrer farblichen Frische an Matisse erinnert.